Welttierschutztag: „Die Aufgaben beim Tierschutz sind gewaltig“

02.10.22
UmweltUmwelt, Bewegungen, TopNews 

 

Von Vier Pfoten

VIER PFOTEN fordert ein größeres Engagement der Politik beim Schutz der Tiere in der Landwirtschaft sowie bei Heim- und Wildtieren

Am Dienstag, den 04. Oktober, ist Welttierschutztag – doch die 24 Stunden eines Tages reichen nicht annähernd, um alle gravierenden Tierschutzprobleme bei Tieren in der Landwirtschaft sowie Heim- und Wildtieren in Deutschland anzugehen. Die globale Tierschutzstiftung VIER PFOTEN sieht beim Tierschutz hierzulande noch gewaltige Missstände und fordert von Politik und Gesellschaft mehr Einsatz für Tiere, die unter menschlichen Einfluss leben.

„VIER PFOTEN setzt sich seit mehr als dreißig Jahren für eine Welt ein, in der Menschen Tieren mit Respekt, Mitgefühl und Verständnis begegnen. In dieser Zeit haben wir – gemeinsam mit unseren Spenderinnen und Spendern sowie Ehrenamtlichen – viel erreicht“, sagt Simone Bares, Mitglied der Geschäftsleitung VIER PFOTEN Deutschland. Anlässlich des Welttierschutztages mahnt Bares jedoch: „Von einer grundsätzlichen Verbesserung des Tierschutzes kann in Deutschland noch lange keine Rede sein. Die Liste der Missstände ist lang. Politik und Gesellschaft sind mehr denn je gefordert, das Leiden der Tiere zu beenden.”

Tiere in der Landwirtschaft

Keine grundlegenden Verbesserungen in den vergangenen Jahren:
Dieses Jahr begeht Deutschland das 20-jährige Jubiläum vom „Staatsziel Tierschutz“ im Grundgesetz, doch das Jubiläum bietet keinen Anlass zum Feiern. Bis heute ist das Staatsziel mit Blick auf die landwirtschaftliche Tierhaltung in weiten Teilen symbolische Verfassungsgesetzgebung, von einer grundlegenden Verbesserung des Tierschutzes in diesem Bereich in den vergangenen zwei Jahrzehnten kann keine Rede sein – das hat auch ein von VIER PFOTEN dieses Jahr veröffentlichtes juristisches Gutachten gezeigt. Dieses stellt eine „Kapitulation der Staatszielbestimmung Tierschutz vor den Tiernutzungsinteressen“ der Industrie fest. VIER PFOTEN fordert von der Bundesregierung, dem Tierschutz endlich Rechnung zu tragen, einen konsequenten Umbau der Tierhaltung und höhere gesetzliche Standards zur Tierhaltung.

Stallkontrollen zu selten und ineffektiv:
Dass ein grundlegender Umbau der Tierhaltung bitter nötig ist, zeigt der aktuelle Report von VIER PFOTEN zu Stallkontrollen. Demnach haben sich die Beanstandungsquoten in den ohnehin viel zu selten kontrollierten Ställen über die Jahre nicht verbessert. Durchschnittlich wurden zuletzt in jedem dritten kontrollierten Stall Missstände festgestellt. Die Gründe dafür sind neben einer extrem geringen Kontrollhäufigkeit – im bundesweiten Durchschnitt nur alle 19 Jahre – auch ungenügende Rechtsvorschriften sowie kaum vorhandene Sanktionen bei Verstößen – die Kontrollen wirken weder präventiv noch sind sie effektiv.

Lebendtiertransporte sind grausam und werden kaum kontrolliert:
Ähnlich düster sieht es bei Lebendtiertransporten aus. Jedes Jahr werden Zehntausende Rinder von Deutschland aus in EU-Länder und in weit entfernte Drittstaaten wie Algerien, Usbekistan oder nach Ägypten transportiert – Trotz der geltenden EU-Verordnung stehen die Tiere dabei eng zusammengepfercht bei Extremtemperaturen in Transportern und auf Schiffen. Pausen werden oft nicht eingehalten, sodass die Tiere nicht wie vorgeschrieben versorgt werden. Viele Tiere überstehen den Weg nur mit schwersten Verletzungen, manche überleben ihn gar nicht. In den Zielländern werden sie oftmals grausam geschlachtet. VIER PFOTEN fordert ein bundes- und EU-weites Verbot von Langstreckentransporten und Transporten lebender Tiere in Drittländer.

Heimtiere

Das illegale Geschäft mit Welpen boomt noch immer:
Die viel zu jungen und oft kranken Hunde stammen häufig aus sogenannten „Welpenfabriken“, wo sie unter grausamen Bedingungen regelrecht „produziert“ werden. Viel zu früh von ihren Müttern getrennt, leiden die Welpen teilweise ihr Leben lang unter einem schwachen Immunsystem oder schwerwiegenden Krankheiten. Während die Tierheime in ganz Deutschland hoffnungslos überfüllt sind – auch mit sogenannten „Corona-Hunden“, die während der Pandemie unüberlegt angeschafft und nun wieder abgegeben oder sogar einfach ausgesetzt werden – erscheinen gleichzeitig wöchentlich Hunderte neue Welpen-Inserate auf Online-Plattformen. Hinter vielen dieser Anzeigen stecken illegale Welpenhändler:innen, die die Anonymität der unregulierten Plattformen für ihr perfides Geschäft nutzen und die Tiere unter falschen Angaben und mit gefälschten Papieren anbieten. Online-Plattformen sind noch immer der Hauptverkaufskanal für Kriminelle – doch die im Koalitionsvertrag angekündigte Regulierung dieser lässt noch immer auf sich warten. Zigtausende Welpen zahlen dies derweilen mit ihrem Leben. VIER PFOTEN fordert die Bundesregierung dazu auf, endlich entsprechende Gesetze zu erlassen und so massives Tierleid zu verhindern.  

Fehlende Kennzeichnung und Registrierung:
Diese ist elementar für den Schutz von Heimtieren. Fast alle EU-Länder haben eine solche Pflicht bereits eingeführt – Deutschland ist hier enttäuschendes Schlusslicht. Durch eine bundesweite Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht könnten entlaufene Hunde schnell wieder mit ihren Menschen vereint werden, Tierheime würden entlastet und die Tiergesundheit verbessert werden: Wer zum Chippen mit dem Tier in die Tierarztpraxis geht, stellt auch seine medizinische Grundversorgung sicher. Indem auch die Herkunft der online zum Verkauf angebotenen Welpen durch eine zuverlässige Registrierung nachvollziehbar wäre, würden potenzielle Käufer:innen zusätzlich davor geschützt, auf Kriminelle hereinzufallen: Die Rückverfolgbarkeit der Tiere ist der Grundstein für das Ende des illegalen Welpenhandels.

Wildtiere

EU-weites Verbot bei Pelzen überfällig:
Die Europäische Union ist einer der größten Pelzproduzenten weltweit. Jedes Jahr werden Millionen Nerze, Kaninchen, Füchse und Marderhunde in kleinen Maschendrahtkäfigen eingesperrt und grausam getötet, um unnötige Pelzprodukte zu erzeugen. Die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung lehnt Echtpelz inzwischen ab. VIER PFOTEN unterstützt die europäische Bürgerintitative (EBI) und fordert ein EU-weites Verbot der Haltung und Tötung von Tieren zur Pelzgewinnung sowie dem Handel mit Pelzprodukten.  

Wildtiere in Zirkussen sind eine Gefahr für Tier und Mensch:
Zum Welttierschutztag bestärkt VIER PFOTEN zudem die Forderung nach einem deutschlandweiten Wildtierverbot im Zirkus. Noch immer reisen in Deutschland Zirkusse mit Elefanten, Tigern oder Löwen durch das Land. Doch die artgemäße Haltung von Wildtieren ist in einem fahrenden Unterhaltungsbetrieb nicht möglich: Häufige Ortswechsel, lange Transportzeiten, fragwürdige Dressurmethoden, kleine Käfige und Stress sind eine enorme Belastung für die Tiere. Aufgrund der unzureichenden Haltungsbedingungen und der ständigen direkten Interaktion mit Menschen entwickeln viele Wildtiere im Zirkus Verhaltensstörungen. Infolgedessen können die Tiere nicht nur für sich selbst, sondern auch für Menschen zu einer Gefahr werden. Immer wieder kommt es in Zirkussen mit Wildtieren zu Unfällen oder die verängstigten Tiere brechen aus und werden auf ihrer Flucht zu einer Bedrohung für die Öffentlichkeit.

 
Weitere Informationen zum Thema finden Sie hier.







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